Prof. Dr. Wolf Völker

Exkurs zur Geschichte der Filmprogramme
in Deutschland 1919-1977!

Seit Ende des 19. Jahrhunderts waren Filmprogramme mit Angaben zum Inhalt des Films und den Schauspielern im Gebrauch.

Bereits in den Stummfilmjahren stellte man zu besonderen Filmereignissen Filmprogramme her. Die Filmprogramme der ersten abendfüllenden Filme – also Filme, die mindestens 90 Minuten lang waren, sind heute vom Wert mit seltenen Briefmarken zu vergleichen. Am 26. Dezember 1906 feierte in Melbourne der erste abendfüllende Film „Die Geschichte der Kelly-Bande“ Premiere. Amerika zog im Jahre 1907 mit dem Monumental-Stummfilm „Ben Hur“ nach. Frankreich folgte 1907 mit dem Film „Der Tunnel unter dem Kanal.“ Italien 1908 mit dem Film „Die letzten Tage von Pompeji.“ Russland brachte ebenfalls 1908 „Stenka Rasin“ heraus. Der erste deutsche abendfüllende Film erschien erst 1913 „Der Student von Paris.“

Die ersten deutschsprachigen Filmprogramme erschienen in Österreich spätestens ab 1911 und in Deutschland ab 1919.

Zunächst waren Filmprogramme schwarz-weiß oder im Halbton-Druckverfahren hergestellt, bei dem die Farbe schwarz durch Blau-, Grün- oder Sepiatöne ersetzt wurde. Etwa ab 1951 gab es farbige Ausgaben. 1969 wurden Filmprogramme in der BRD eingestellt. In der DDR gab es bis 1977 Filmprogramme. Danach erschienen bis 1990 die Progress-Sammelprogramme, die alle Filme eines Monats enthielten.

In der DDR brachte Progress rund 120 Filme jährlich zum Einsatz. Diese Zahl stieg bis 1988 auf rund 140 Filme, davon 20 Kinderfilme. Die DEFA steuerte jährlich zwischen 16 und 18 Neuproduktionen bei. Aus der UdSSR kamen jeweils rund 30 bis 40 Filme, aus den anderen sozialistischen Ländern rund 60 bis 70 Filme. Zu jedem Film gab es ein Filmprogramm.

Nach 43 Jahren des Nichterscheinens sind Filmprogramme heute ein vergessenes Kulturgut.

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